Südafrika – der Nordwesten

22.07. – 14.09.2007
54 Nächte
11'478 km
3 Länder

Das Abenteuer beginnt!

Es ist soweit. Mit einem schweren, doch gleichzeitig auch leeren Rucksack erreichen wir Kapstadt im südlichen Afrika und beginnen einen unserer Träume zu leben. Spannung, Spass, Abenteuer, Erlebnisse und Neues entdecken sind unsere Wünsche an das nächste halbe Jahr. Für die ersten paar Tage quartieren wir uns in der Long Street in einem Backpackers ein. Geplant ist im September die Schulbank in Kapstadt zu drücken, um unser Englisch etwas aufzubessern. Bis dahin bleibt uns Zeit das Land an der Südspitze des afrikanischen Kontinents zu erkunden. Deshalb machen wir uns auf die Suche nach einem passenden Auto. Klar liebäugeln wir da mit den Offroad-Fahrzeugen – aber es geht auch etwas einfacher und günstiger…

Daneben kämpfen wir uns tagsüber durch die südafrikanische Bürokratie und abends ziehen wir mit einem Kumpel aus der Schweiz von Bar zu Bar quer durch die Ausgangsmeile Kapstadts.


Die Westküste

Mit dem verlängerten Visum, dem Coast to Coast Backpackers Guide und der Idee erst mal an der Westküste Südafrikas entlang zu reisen, brechen wir mit unserem kleinen, roten VW Chico auf. Während den ersten Fahrminuten müssen wir uns erst einmal an den Linksverkehr gewöhnen, vor allem Kreisverkehre sind gewöhnungsbedürftig! Entlang der Küste Richtung Langebaan und Lambert’s Bay sammeln wir dazu unsere ersten Erfahrungen und freunden uns mit unserem kleinen Chicolino an. Der Wind fegt an den Stränden entlang und die Wellen des Atlantischen Ozeans sind gewaltig. Das zu geniessen, ist Freiheit pur.

Da es hier momentan Winter, eher regnerisch und die Gegend oft mit Morgennebel bedeckt ist, sehen wir an der Westküste vorerst nur niedriges Gebüsch und karges Land. Häufig plätschert Regen auf unsere Windschutzscheibe und wir werden auf den schlammigen Pisten mit Schlaglöchern und Pfützen etwas gefordert. Wir sind froh, wenn zwischendurch wieder Asphalt unter die kleinen Räder unseres Chicolinos kommt. Um von dem nassen Wetter und der Kälte zu flüchten, legen wir auf einer kilometerlangen, geraden Strasse eine grössere Etappe nordwärts zurück. Für das an der Westküste berühmte Blütenmeer sind wir sowieso nicht zur richtigen Zeit unterwegs.


Die Provinz Northern Cape

Unsere Reise geht durch die karge, steinige und mehrheitlich flache Halbwüste Richtung Springbok und zum östlich davon gelegenen Pofadder. Letzteres ist ein kleiner Ort in der Northern Cape Provinz nahe der namibischen Grenze. Auf Spaziergängen schlendern wir im Sand um dürre Grasbüschel, kleine Sträucher und vorbei an Köcherbäumen. Die trockene, staubige Weite ist faszinierend. Mittlerweile hat sich auch unser Chicolino mit der sandigen Piste in der dünn besiedelten Region angefreundet. Da es hier sehr trocken und im Sommer extrem heiss ist, treffen wir kaum auf ein Dorf, Menschen oder Tiere. Alleine sind wir in der weiten Halbwüste unterwegs und geniessen es, im Schatten (wenn vorhanden) zu picknicken, der warme Sand durch die Finger rieseln zulassen oder zwischen den trockenen Büschen zu spazieren.

Nach einigen Tagen Trockenheit treffen wir im Kalaharibecken im nordwestlichsten Teil von Südafrika auf den Fluss Oranje. Launisch und geheimnisvoll bringt er Leben in das Wüstengebiet. Dieser Fluss entspringt in Lesotho, dient der Trinkwasserversorgung von Johannesburg, gräbt sich auf dem Weg Richtung Atlantischem Ozean tief ins Gestein und bildet die Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Im Augrabies Falls National Park donnert das Wasser des Oranje Flusses mit einer mächtigen und ohrenbetäubenden Strömung über die Felskante 56 m in die Tiefe. Bei verschiedenen Aussichtspunkten erkunden wir die Umgebung rund um die lange Granitschlucht. Fasziniert betrachten wir die felsige Gegend und freuen uns über den Besuch von Antilopen, Pavianen, Erdmännchen, Giraffen und Springböcken.

Via Upington und Spitzkop Nature Reserve erreichen wir auf einer herausfordernden Wellblechpiste den Kgalagadi Transfrontier Park im äussersten Nordwesten Südafrikas, der etwa so gross wie die Schweiz ohne den Kanton Tessin ist und sich auf südafrikanischem und botswanischem Boden befindet. Zufrieden tauchen wir in das grosse Naturschutzgebiet in der Kalahariwüste ein. Es ist ein tolles Gefühl in dieser trockenen Gegend so viele Tierherden zu sehen. Ausgiebig beobachten wir Strausse, Streifengnus, die majestätischen Spiessböcke (Gemsbok) und natürlich die eleganten Nationaltiere Südafrikas – die Springböcke. Aber auch ein Schakal, Erdmännchen und viele verschiedene Vögel begegnen uns. Bei Mata-Mata, inmitten des Nationalparks, schlagen wir unser Zelt auf.

Drei Tage verweilen wir im Park und sind vor allem auf der Suche nach einer Löwenbande. Die bekannten schwarz- oder auch blondmähnigen Löwen und dessen Rudel verstecken sich aber oft in hohem Gras. Damit haben sie sich für uns leider unsichtbar gemacht. Dafür treffen wir aber auf einen Honigdachs, Giraffen und viele weiteren Tiere.

Ein starker Kontrast zum ansonsten rötlichen Sand der Kalahari bilden die hohen, hellen Wanderdünen im Witsand Nature Reserve. Genau dorthin sind wir nun mit Chicolino unterwegs. Da wir uns im Gelände unglaublich wohl fühlen, wird unser städtisches Gefährt öfters gefordert. So wundert es uns auch nicht, dass wir plötzlich ohne Keilriemen unterwegs sind. Schrittweise, um den Motor nicht zu überhitzen, versuchen wir die Pampa hinter uns zu lassen und hoffen, in der nächsten Ortschaft eine Werkstatt oder jemanden mit einem neuen Keilriemen zu finden. Stunden vergehen und wir sind immer noch weit weg von der Zivilisation. Ideen und Vorschläge werden diskutiert und mit einer Notkonstruktion erreichen wir kurz vor Dämmerung eine Werkstatt. Schnell können uns die Mechaniker weiterhelfen und tags darauf soll dem Ausflug zu den weissen Dünen nichts mehr im Wege stehen.

Mit einem neuen Keilriemen unter Chicolinos Motorhaube kommen wir bei den Dünen an. Während sich die Millionen Sandkörner aneinander reiben und dadurch ein tiefes Brummen erzeugen, geniessen wir dieses geheimnisvolle Naturphänomen. Bei grosser Hitze stapfen wir auf den Wanderdünen auf und ab. Es ist herrlich und macht Spass in diesem grossen Sandkasten herumzutollen.

Kimberley, die Hauptstadt der Provinz Northern Cape, hat dank des Diamantenrausches im 19. Jahrhundert den Ruf einer Diamanten-Welthauptstadt erworben. Die aussergewöhnliche Vergangenheit Kimberley’s brachte einen unvorstellbaren Reichtum für Südafrika. Nach dem Fund der ersten Diamanten 1869 entstand eine blühende Stadt mit der ersten elektrischen Strassenbeleuchtung auf der Südhalbkugel und bereits 1887 rollte die erste Strassenbahn durchs Zentrum. Beim Freilichtmuseum „Big Hole“ tauchen wir in die Geschichte der Diamantengräber ein und sind insbesondere von dem grössten mit Hacke und Schaufel geschaffenen Loch der Welt beeindruckt. Allein das sichtbare Tagbauloch vom „Big Hole“ hat eine Tiefe von 240 m. Ab 175 m ist das Loch heute mit Grundwasser gefüllt. Wir verweilen im Freilichtmuseum und verfallen beim Graben nach Diamanten selbst in einen kleinen Rausch…


Das Königreich Lesotho

Wir verlassen Südafrika und machen einen kurzen Abstecher nach Lesotho. Im Überqueren von Grenzen sind wir noch nicht so geübt. Wir werden nicht angehalten und fahren selbstsicher Richtung Hauptstadt Maseru. Wir brauchen also kein Visum und auch keinen Stempel in den Pass…

Um uns herum wird es immer hügliger und ländlicher. Uns wird bewusst, weshalb die Enklave Lesotho auch gerne als „the Kingdom in the Sky“ bezeichnet wird. Die Bedeutung ist treffend, da Lesotho ein Hochland mit Bergketten über 3000 müM ist. Kaum liegt die chaotische Stadt Maseru hinter uns, zeigt sich die malerische Bergwelt. Das schwach ausgebaute Verkehrssystem macht sich auch für uns spürbar. Wir fordern Chocolino im Schneckentempo auf den unwegsamen Pisten über unzählige Hügel, vorbei an Hütten und kleinen Dörfern. Schmale Fusswege erschliessen die verstreut liegenden Dörfer, die kein Strom oder fliessendes Wasser haben. Die Menschen sind auf Pferden, Eseln oder zu Fuss unterwegs. Ein privates Auto sucht man hier vergebens. Je tiefer wir in die Natur kommen, umso durchdringender werden die Blicke der Lesother. Es ist komisch, wenn man plötzlich spürt, dass man anders ist…

Wir sind fasziniert von der spektakulären Berglandschaft und den Menschen, welche traditionell und sehr einfach in ihren runden Steinhütten leben. Es scheint, als sei die Zeit in Lesotho einfach stehen geblieben. Während wir von dieser Idylle geblendet sind, fragen wir uns aber auch, woher diese Menschen die Energie für ihr hartes und beschwerliches Leben nehmen.

Dank einem freundlichen Grenzbeamten und mehreren charmanten Augenaufschlägen gelingt uns die Ausreise aus Lesotho. Mittlerweile ist uns bewusst, dass wir einen Einreisestempel gebraucht hätten, auch wenn uns die Beamten bei der Einreise freundlich durchgewinkt haben…

Weiter geht unsere Reise nach Johannesburg und in den Krüger Nationalpark. Wir freuen uns!

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