Salam aleikum – ein bunter Start in Marokko

Marokko wir kommen!

Die Meerenge der schmalen Strasse von Gibraltar trennt Europa von Afrika, Spanien von Marokko, die bekannte von einer fremden Welt.

Die Vorfreude ist riesig und wir sind gespannt was uns in diesem Land alles erwartet. Mit der Fähre geht es von Algeciras nach Tanger Med. Es ist ein Katzensprung und wir befinden uns auf einem neuen Kontinent, haben endlich wieder afrikanischen Boden unter den Füssen, begegnen immer wieder strahlenden Menschen die uns «Bonjour, ça va?» zurufen und gewöhnen uns an den neuen Duft des Landes.

Hell-, gras- und dunkelgrüne Landschaft

Unmittelbar ans Mittelmeer grenzt das Rif, eine Gebirgskette, in welchem wir mit Manny die ersten Tage umherkurven und uns an die neue Umgebung gewöhnen. Es ist grün hier und die Bewohner bauen Getreide, Gemüse, Oliven und Hanf an. Frauen mit rot-weiss oder grün-weiss gestreiften Röcken und Strohhüten arbeiten auf den Feldern und grüssen freundlich. Die Männer in ihren wolligen Zwergenmäntel mit Kapuze bewundern Manny und interessieren sich woher wir kommen. Ab und zu will uns auch einer etwas Haschisch verkaufen, was wir dankend ablehnen.

Einen Traktor sehen wir selten. Pferdepflug, Eselkarren und Gartenhacke sind üblicher. Auf den Strassen fahren neben Autos und Mopeds auch vollgestopfte Minibusse, Eselwagen und massiv überladene LKWs, sei es mit Schafen, Stroh oder dem gesamten Haushalt einer Familie. Die Tage verstreichen und das neue Bild dieser Landschaft wird immer gewöhnlicher.

Himmelblaue Fassaden

Es geht aufwärts in die im Rif-Gebirge beheimatete Stadt Chefchaouen. Gewundene Strassen, blaue Türen und Fassaden sowie alte Olivenbäume und kleine charmante Cafés sorgen für eine malerische Atmosphäre. Ausserhalb der Mauern der Medina führt einen schmalen Pfad den Berg hinauf. Da haben wir eine tolle Aussicht auf die blaue Stadt, die Häuser mit ihren Dachterrassen und die Minarette.

Türkisfarbenes Wasser in den Mittelmeerbuchten

Meist ist die Küste steil und felsig. Eine kurvenreiche Strasse führt ganz im Norden am Meer entlang. Auf und ab geht es vom einen Kap über die Landzunge in die nächste Bucht. Ja, wir lieben Strandstrassen und es ist echt herrlich hier.

Andere Reisende begegnen uns nicht. Wir sind es uns schon gewohnt, auf dem Campingplatz alleine zu stehen. Das ist nicht weiter schlimm, denn kaum ist die Sonne weg, wird es richtig kalt und es ist am angenehmsten gut eingepackt im Manny zu verweilen.

Die Küstenstrasse führt uns bis nach Saidia an der algerischen Grenze. Dieser kleine Badeort lockt im Sommer viele Gäste an. Wir erleben die Stadt leer und ruhig. Weiter östlich am Meer entlang zu fahren geht leider nicht. Die Grenze zu Algerien ist seit Jahrzehnten wegen politischen Differenzen geschlossen. Also verabschieden wir uns nun definitiv vom Meer und ziehen weiter an der marokkanisch-algerischen Grenze entlang Richtung Süden.

Beigerotes, flaches Hochplateau

Unbemerkt klettert die Zahl auf dem Altimeter nach oben und pendelt sich bei 1’200 müM ein. Ein weites, steppenhaftes Plateau liegt vor uns: Die Rekkam-Hochebene mit niedrigen Sträuchern und dem Horizont rundum auf gleicher Höhe. Wir sind fast alleine unterwegs. Zwischendurch treffen wir auf einen Hirten mit seiner Schaf- oder Ziegenherde oder ein paar Esel.

Die Strasse geht schnurgeradeaus und wenn mal eine leichte Kurve kommt, wird diese mit etlichen Verkehrsschildern angekündigt. Parallel zur Strecke gibt es ein Eisenbahngleis, welches einmal wöchentlich von einem Güterzug genutzt wird. Es ist ein Ort der Ruhe, kein Hundegebell, keine Stimmen, keine Verkehrsgeräusche. Wir geniessen die Stille und das Karge sehr. All dies liegt auf dem Weg zum wirklich aller letzten Zipfel des Landes, die Oasenstadt Figuig.

Olivgrüne Perle der Wüste

Wie aus dem Nichts taucht diese beeindruckende Oase auf. Dank der ausreichenden Wassermenge und des fruchtbaren Bodens ist es plötzlich grün in der Wüste. Mit 190’000 Dattelpalmen war Figuig zur Zeit der Karawanen ein Zentrum des Handels und historisch umkämpft. Seit der Schliessung der Grenze zu Algerien, die Figuig auf drei Seiten umgibt, hat die Stadt an Bedeutung verloren. Der Handel wird dadurch verunmöglicht, so hätte Algerien Bodenschätze und Marokko Gemüse und Früchten. Diese Gegebenheiten locken natürlich auch zum Schmuggeln. Beispielsweise wird am Strassenrand überall algerischer Diesel in PET-Flaschen angeboten. Wir sind hin und weg von diesem Ort und fühlen uns total wohl da.

Ein ausgeklügeltes landwirtschaftliches System macht die Oase so fruchtbar. Die hohen Dattelpalmen strecken ihre Köpfe an die Sonne, spenden den darunter stehenden Oliven-, Feigen- und Granatapfelbäumen etwas Schatten. Darunter ist der Boden überwiegend mit Schatten bedeckt und Gemüse, Getreide und Kräuter können gedeihen.

Auf unseren Spaziergängen durch die Stadt, Palmenwälder und Ksar (traditionelle, befestigte Siedlungen aus Lehm) treffen wir auch auf ein Strassenschild nach Beni Ounif. Obwohl seit den 90er-Jahren die Grenze dahin geschlossen ist, weist es noch immer den Weg nach Algerien.

Ockergelbe Pisten in die abgelegensten Ecken

Wir möchten mit Manny wieder einmal ein bisschen offroad unterwegs sein. So fahren wir auf kleinen Pisten am Grenzwall entlang zu der Bergoase Iche. An vielen Militärposten kontrollieren die Soldaten in Jogginganzügen und Adiletten unsere Papiere und sind hoch erfreut mit uns einige Wörter auszutauschen.

Auf der Fahrt beeindrucken die Berge, die beinahe absolute Stille der umgebenen Landschaft und die ersten Dromedare.

Die Gastfreundschaft in Iche rührt uns sehr. Primarschulkinder zeigen uns stolz ihre Französischkenntnisse, wir unterhalten uns weiter mit Händen und Füssen, singen und spielen Himmel und Hölle zusammen. In diesem Dorf werden wir mit mindesten 5 Kilogramm frischen Datteln, netten Begegnungen und leckerem Fladenbrot beschenkt und das trotz der spärlichen Lebensgrundlage der Menschen hier.

Kein goldiges und silbriges Bling-Bling

Weihnachten rückt immer näher und das Wildcampieren ist wegen den neusten Vorfällen im Moment nicht so einfach. Also steuern wir nach wunderbaren Offroad-Touren im Osten einen Campingplatz an und hoffen, da Gleichgesinnte zu treffen. Bei einer leckeren Tajine mit drei Deutschen Reisenden verbringen wir einen gemütlichen Weihnachtsabend. Eine Tajine ist ein traditionelles marokkanisches Schmorgericht mit Rind oder Huhn und verschiedenen Gemüsen, das in einem hutförmigen Tongefäss zubereitet, und meist mit Brot serviert wird.

 

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