Mongolei – die Nordroute

01.07. - 21.08.2014
51
3'190 km

Das Land mit der tiefsten Bevölkerungsdichte: die Mongolei

Die Mongolei, 38 Mal so gross wie die Schweiz mit knapp 3.2 Millionen Einwohnern, ist ein enorm dünn besiedeltes Land. Hinzu kommt, dass über 40% der Bevölkerung in der Hauptstadt Ulaanbaatar leben. Da das Klima und der Boden in der Mongolei an den wenigsten Orten für den Ackerbau geeignet sind, leben die meisten Menschen nomadisch auf dem Land. Man sagt, dass eine Familie eine Herde mit mindestens 300 Tieren braucht, um sich selber zu versorgen. Wir versprechen uns von diesem vielen Nichts Natur pur, wunderschöne Landschaften und Einsamkeit.

Westmongolei

Nach über 100 Tagen und knapp 17‘000 km sind wir im Westen der Mongolei eingereist und haben mit viel Freude ein weiteres grosses Etappenziel unserer Reise erreicht. Das Ankommen in der Mongolei spürt auch Manny, denn kaum hat sich das letzte russische Grenztor hinter uns geschlossen, endet der Asphalt und eine Schotterpiste führt in das für uns neue Land. Bereits nach wenigen Kilometern ist die Weite des Landes spürbar und kann kaum mit Worten oder Bildern beschrieben werden.

Unser erster Ausflug in der Westmongolei fordert Manny und uns beim Fahren auf den sandigen, sumpfigen, matschigen, steinigen, hügligen, abschüssigen, ausgefahrenen, weggeschwemmten, wellblechigen und zum Teil nicht vorhandenen Pisten. Dennoch sammeln wir dabei nützliche Offroad-Erfahrungen, die uns auf der Weiterreise durch die Mongolei bestimmt helfen werden. Am meisten Spass macht das Furten der Bäche, auch wenn Fränzi zwischendurch knietief im eisigkalten Wasser nach einem befahrbaren Weg suchen muss. Auf einmal ist für Fränzi das Navigieren nicht mehr so einfach, denn eine Strasse auf der Karte entspricht hier vielen Pisten, die hoffentlich alle in dieselbe Richtung führen. Nur blöd, wen man dann plötzlich im Kreis fährt…

In der Nähe einer Jurtensiedlung am See schlagen wir unser Nachtlager auf und bewundern das Sonnen- und Schattenspiel entlang der Bergketten und über den Hügeln. Besonders faszinierend sind die wechselhaften Wolkenbilder, welche bei dem stark fegenden Wind geschwind vorbeiziehen. Die Natur ist hinreissend und ohne weiteres können wir uns da verweilen, doch das bevorstehende Nationalfest möchten wir uns nicht entgehen lassen. Zudem hat Manny dort eine Verabredung mit MASHIN. Ob sie wohl gesund und munter erscheinen wird?


Naadam – das Nationalfest

Das Naadam-Fest ist hauptsächlich eine Sportveranstaltung, bei welcher sich die Mongolen in ihren drei traditionellen Sportarten (Pferderennen, Bogenschiessen und Ringkampf) messen. Vom kleinsten Dorf bis in die Hauptstadt werden überall diese Wettkämpfe ausgetragen. Wir erleben das zweitägige Fest in der Hauptstadt des Aimags Bayan-Ölgii (die Mongolei ist in verschiedene Aimags, die höchste Verwaltungseinheit, gegliedert). Dort zieht es die Menschen in Scharen ins Stadion zur Eröffnungsfeier. Traditionelle Musik, Gesang, Tanz und ein kurzes Theater vom mongolischen Grossreich zur kommunistischen Herrschaft bis hin zur Demokratisierung werden dem Publikum als Einstieg geboten. Während einem kleinen Umzug aller Wettkampfteilnehmenden durch das Stadion werden die traditionell gekleideten Sportler bejubelt und geehrt.

Während die Bogenschützen ausserhalb ihr Können vorführen, geht es auf dem Stadionrasen mit den Ringern zur Sache. Mit sexy Höschen und Westen treten sie zum Kampf an. Eine Legende besagt, dass einst eine Frau Ringersiegerin wurde, und deshalb müssen die Athleten heute brustfreie Westen tragen. Vor und nach einem Kampf zeigen die Ringer einen Adlertanz und da es keine Gewichtsklassen gibt, tobt das Stadion, wenn ein körperlich unterlegener Ringer gewinnt.

Der zweite Tag des Nationalfests steht ganz im Zentrum des Pferderennens. Ausserhalb der Stadt sammeln sich im Verlauf des Vormittags Menschen und Autos an. Irgendwo mitten in der Wiese können wir eine Ziellinie erahnen. Dieser schenkt lange keiner eine Bedeutung. Doch wie aus dem Nichts rennen auf einmal Hunderte auf die Linie zu. Weit am Horizont erkennen wir eine kleine, näherkommende Staubwolke. Die zwischen sieben und zehn Jahre alten Reiter treiben ihre Pferde auf den letzten Metern nochmals mit heftigen Peitschenhieben an und überschreiten dann erschöpft und völlig entkräftet die Ziellinie.


Nordroute

Auf dem Parkplatz vor dem Guesthouse in Ölgii wartet Manny gespannt auf seine Verabredung. Lange ist es her, als er MASHIN in Kirgistan für eine Viertelstunde getroffen hatte. Aber wir glauben, schon da hat er ein Auge auf sie geworfen. Er versucht sich von seiner besten Seite zu präsentieren, obwohl seine letzte Dusche schon etwas länger her ist. Deshalb schätzt er die täglichen Abendgewitter umso mehr.

Endlich ist es soweit, die grosse orange MASHIN platziert sich neben ihm und da sie sich in der schweizerdeutschen Sprache genauso gut auskennt wie Manny, kann ja nichts mehr schief gehen. Aus dem Bauch der MASHIN (Mercedes Sprinter mit 4×4 Umbau) steigen die Basler Sebastian und Annina (Link zu ihrem Reiseblog), welche uns ins Geheimnis vom outdoor Pizzabacken einweihen. Bis spät in die Nacht tauschen wir unsere Erlebnisse und Geschichten aus. Auch strecken wir die Köpfe über der Mongoleikarte zusammen und besprechen mögliche Routen Richtung Ulaanbaatar. Gerne würden wir die weniger befahrene und auch schwierigere, aber dafür abwechslungsreichere Nordroute fahren. Auf der Suche nach den aktuellen Gegebenheiten des Strassen- und Wasserzustands erhalten wir allerhand Informationen. Im Konvoi brechen wir auf ins Abenteuer. Wir werden ja sehen, ob die Flüsse viel Wasser haben und die kleinen Pässe wirklich befahrbar sind…

Beladen mit Vorräten und Diesel fahren wir nordwärts zu den roten Granitfelsen bei welchen wir eine fantastische Aussicht auf den Achit Nuur (Nuur heisst See) geniessen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h fahren wir während sechs Tagen vorbei am Üüreg Nuur, Uvs Nuur nach Mörön. Die wunderschöne Landschaft ändert sich gefühlt nach jeder Kurve. Einmal hat es felsige Berge oder steinige Hügel, dann Grashügel, die ans Auenland erinnern, oder Flusslandschaften. Weiter sehen wir Sanddünen und trockene Steppenlandschaften.

Das trockene Zeitfenster ermöglicht uns eine einfache Fahrt über die kleinen Pässe und durch die ausgetrockneten Flussbette. In den Tälern begegnen wir Nomaden mit ihren Tierherden und Jurten und auf den grösseren Hügelkuppeln werden wir von Ovoos begrüsst. Ein Ovoo ist ein schamanischer Steinhaufen. Kommen die Mongolen an einem Ovoo vorbei, nehmen sie einen Stein, legen diesen auf den wachsenden Steinhügel und gehen drei Mal um diesen herum. Dieses Ritual soll ihnen zu einer sicheren Reise verhelfen. Abends besuchen wir abwechslungsweise das Restaurant MASHIN oder das Restaurant Manny und geniessen zu viert die Sonnenuntergänge bei unseren Übernachtungsplätzen.


Khövsgöl

Die blaue Perle der Mongolei ist der grosse Khövsgöl Nuur, welcher sich im Norden des Landes bis weit in die sibirische Taiga streckt. Nach dem Baikalsee ist dieser riesige See das zweitgrösste Trinkwasserreservoir Asiens und enthält etwa 70% des mongolischen und 0.4% des weltweiten Trinkwassers! Umgeben von grünen Nadelwäldern erstreckt sich das hellblaue Paradies bis zum Horizont. Um den Moment noch perfekter zu machen, darf ein Grillplausch nicht fehlen. In mühseliger Arbeit präparieren Tobi und Sebastian die Schafsnacken für den Grill. Unsere mongolischen Nachbarn amüsieren sich bei dessen Anblick köstlich und verstehen nicht, weshalb die Männer das Fett vom Fleisch trennen. Beim Verzehr hält sich unsere Begeisterung in Grenzen. Zum Glück haben wir noch ein kleines Salatbuffet.

Wir verlassen unser fahrendes Zuhause und brechen mit Zelt und Rucksack zu einem zweitägigen Reitabenteuer entlang des Sees auf; Fränzi auf Forzi und Tobi auf dem ruhigen Björn. Bereits nach wenigen Metern wird der unbequeme Holzsattel schmerzhaft spürbar und im Verlauf des Tages quälend mühsam. Während sich Tobi diese Po-, Knie- und Rückenschmerzen keineswegs einen zweiten Tag mehr antun will, reitet Fränzi auf Forzi tapfer zurück zu Manny. Diese Handlung bleibt ihrem Körper aber ein mehrtägiges Andenken… Das traumhaft schöne Wetter und die vorhandenen Nachwirkungen vom Reitausflug lockt uns noch einen Tag am See zu verweilen. Mit einer Bootstour zur anderen Seeseite und dem Baden in der einsamen Natur können sich unsere Körper wieder langsam erholen.


Ein unglaubliches Treffen

Nach den gemeinsamen Abenteuern mit Sebastian und Annina trennen sich unsere Wege für die nächste Woche, denn für uns steht ein unglaubliches Treffen bevor. Seit Tagen sind wir per SMS in Kontakt mit Priska und Markus, den Eltern von Fränzi. Sie verbringen ihre Sommerferien in der Mongolei und wir sind bloss noch gut 300 km von ihnen entfernt. Nach einer regenreichen Fahrt überraschen wir sie bei ihrem Mittagessen im Jurtencamp beim Khustain Nationalpark. Die Begegnung ist überwältigend und reale Umarmungen tun einfach gut. Warmen Herzens werden wir von der gesamten Reisegruppe in Empfang genommen und wir dürfen an ihrem Programm teilnehmen. Zum einen Erleben wir das Ritual eines Schamanen und zum anderen geniessen wir die gemeinsam Zeit mit Plaudern in der Jurte oder auf einem Spaziergang. Herzlichen Dank für das mögliche Treffen und die gute Zeit. Wir werden noch lange daran zehren.

Danach geht es weiter in die Hauptstadt Ulaanbaatar.

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