Mongolei – die Hauptstadt Ulaanbaatar

Ulaanbaatar

Die Hauptstadt Ulaanbaatar ist ein Kontrast zu dem, was wir in der Mongolei bis jetzt gesehen haben. Smog, Kohlenkraftwerke, viel Verkehr, mehrstöckige Häuser, Touristen und moderne, protzige Fahrzeuge begegnen uns bei der Einfahrt in die Hauptstadt mit ihrer 1.3 Million Einwohnern. Im Osten von Ulaanbaatar finden wir im Guesthouse Oasis eine der letzten Parklücken für Manny. Unser Grosser geht neben den anderen Reisefahrzeugen richtig unter und wirkt winzig klein. Nach einem Tag Sightseeing im Stadtzentrum bemerken wir, dass dieser Ort nicht wirklich etwas für uns ist und wir gerne wieder zurück in die Weiten des Landes fahren würden. So wird Manny schnell mit Vorräten beladen, Wasser und Diesel getankt und wir steuern Richtung Westen. In drei Tagen werden wir uns mit Sebastian und Annina für eine gemeinsame Gobi-Runde treffen. Darauf fiebern wir gespannt hin.


Das gebrochene Herz von Manny

Der junge, rüstige und knackige Manny hatte nie etwas zu klagen, weder einen Husten, Schnupfen noch eine sonstige Krankheit. Dennoch benötigt er mit seinen 25 Jahren und 160‘000 gefahrenen Kilometern eine Transplantation am offenen Herzen…

Wie es dazu kam: Voller Vorfreude fahren wir mit dem vollbeladenen Manny aus der Grossstadt Ulaanbaatar. Wir können kaum mehr auf das Leben in der Natur warten, obwohl wir im Guesthouse Oasis eine gute Zeit mit anderen Reisenden gehabt haben. Manny fährt westwärts am Kilometerschild 64 vorbei, als wir einen komischen Geruch im Auto feststellen. Das ist hier nichts Fremdes, denn viele vorbeifahrende Fahrzeuge riechen nach Abgas oder schmürzelndem Gummi. Doch der Geruch lässt bis zum Kilometerschild 65 nicht nach. Leicht verunsichert parken wir am Strassenrand und sehen, dass es aus dem Motorenraum qualmt.

Nach dem Öffnen der Motorhaube stellen wir fest, dass der gesamte Motor mit Motorenöl bespritzt ist, dieses runterläuft und sich bereits eine Öllache unter dem Manny bildet. Warten, Motor auskühlen lassen und über den entstandenen Schaden werweisen. Etwas ist schnell klar, dort wo wir stehen, haben wir keinen Natelempfang. Tobi lässt sich von zwei Mongolen im Lieferwagen mit Schafen einige Kilometer zurück chauffieren, während Fränzi Manny bewacht.

Durch Zufall und einigen Umwegen hat Tobi Beni am Apparat. Beni ist Mechaniker und mit Verena in der Fetten Elke, ihrem alten VW-Bus, unterwegs (Link zu ihrem Reiseblog). Ihr Ziel ist heute, westwärts aus Ulaanbaatar zu fahren. Dies ist genau unsere Richtung. Deshalb organisieren die zwei uns in der Stadt Motorenöl und einen Ölfilter. Bald darauf kommt Tobi mit der guten Nachricht zurück zu Manny. Am Strassenrand wartend führten wir eine knapp dreistündige Unterhaltung von einem Reisenden und seinem Sohn. Als Beni und Verena eintreffen, sind wir froh Manny’s Innenleben professionell betrachten zu lassen. Der Ölverlust ist doch geringer als angenommen. Alles deutet darauf hin, dass die Zylinderkopfdichtung oder schlimmer der Zylinderkopf hinüber ist. Verena und Beni sind bereit, mit uns wieder Richtung Ulaanbaatar zu fahren und falls wir nicht mit eigener Kraft zurückkommen, würde die Fette Elke Manny abschleppen.

Nach fünf Kilometern qualmt es erneut und das Motorenöl spritzt in alle Richtungen. Mit dem Abschleppseil wird Manny an die Fette Elke geheftet und folgt ihr in der Abenddämmerung zurück in die Stadt. Am Stadtrand macht unsere Batterie schlapp, die Warnlichter setzen aus und die Scheinwerfer werden schwächer und schwächer so dass die Dunkelheit uns langsam verschlingt. 18 Kilometer durch eine Grossstadt bei Nacht, unzähligen Ampeln und mongolischen Fahrkünsten abzuschleppen oder abgeschleppt zu werden, ist nicht ganz einfach. Im Oasis werden wir warmen Herzens von Seraina und Adrian sowie Astrid und Sven (Link zu ihrem Reiseblog) in Empfang genommen. Bei Bier wird die Geschichte erzählt, diskutiert und Pläne geschmiedet.

Tags darauf werden wir vom Zürcher-Trudi(li) (Toyota Landcruiser BJ75) in das Toyota Center im Westen der Stadt abgeschleppt. Adrian und Seraina waren mit Trudi bereits Kunden dort und kennen den Weg quer durch die Stadt ganz gut. Zu unserem Glück spricht ein Lagerist etwas Englisch. Tobi beschreibt das Problem und verlangt, dass der Kompressionsdruck gemessen wird. Darauf steigen die Mechaniker nicht ein, belächeln uns und wechseln während sieben Stunden den Dieselfilter, ein Schläuchlein vom Kühlwasser und füllen einen Liter Kühlwasser nach. Jetzt sei alles in Ordnung.

Mittlerweile ist Feierabend. Der Kompressionsdruck wurde trotz ständiger Aufforderung nicht gemessen, alle Mechaniker sind auf dem Weg nach Hause und auch wir werden mit Manny aus der Werkstatt entlassen. Auf einer kurzen Probefahrt auf der Piste vor dem Toyota Center stellen wir schnell fest, dass gar nichts in Ordnung ist. Erneut qualmt Manny und der Motor beginnt wieder Öl zu verlieren. Selbst die letzten Meter zurück in das Toyota Center schafft er nicht mit eigener Kraft und wir müssen ihn in die Werkstatt schieben.

Pünktlich auf Arbeitsbeginn stehen wir am darauf folgenden Tag in der Werkstatt und kämpfen uns zwei Stunden mit den Mechanikern ab, bis endlich der Kompressionsdruck gemessen wird. Siehe da, irgendetwas stimmt da wirklich nicht. Die nächsten drei Stunden beginnt ein Servicemann langsam Schraube um Schraube zu lösen. Bis zum Feierabend hat er es fast bis zur Zylinderkopfdichtung geschafft. Aber eben nur fast und wir stehen immer noch ohne bestätigtem Problem da. Verena und Beni sind zum zweiten Mal auf dem Weg aus der Stadt Richtung Westen. Dabei statten sie uns einen Besuch im Toyota Center ab und bleiben bei uns hängen.

Zwischenzeitlich sind wir auch im Besitz eines mongolischen Kontakts, welcher gut Deutsch spricht. Auf eigene Faust hat er uns am Morgen einen Mechaniker in die Werkstatt geschickt. Leider durfte dieser vor Ort keinen Blick auf Manny werfen. Da wir inzwischen in einer schon fast geschlossenen Werkstatt stehen, Wochenende ist und die im Toyota Center unserer Meinung nach nicht effizient genug arbeiten, telefonieren wir noch einmal mit unserem Kontaktmann Jarga und fragen ihn nach Rat. Wenig später können wir Dank ihm das bereits geschlossene Toyota Center mit Manny verlassen. Einmal mehr sind wir auf die Fette Elke angewiesen. Sie zieht uns aus der Werkstatt auf einen Parkplatz, bei welchem wir Manny für eine Nacht stehen lassen können, damit tags darauf Jarga’s Mechaniker uns weiterhelfen kann. Mit Verena und Beni klappern wir die Stadt nach einer passenden Zylinderkopfdichtung ab. Nach Stunden endlich der Erfolg. Wir sind im Besitz einer passenden Dichtung.

Unsere persönlichen Fahrer haben auch am nächsten Tag noch Zeit uns mit der neuen Zylinderkopfdichtung zurück zu Manny zu chauffieren. Da der Mechaniker an dessen Ort nicht Schrauben darf, schleppt uns die Fette Elke in einen Hinterhof einige Kilometer vom Parkplatz entfernt ab. Schnell stellt der Mechaniker fest, dass nicht nur die Dichtung sondern der Zylinderkopf Risse hat. Also brechen wir mit zwei Fahrzeugen auf und suchen die gesamte Grossstadt nach einem passenden Zylinderkopf ab. Eine tagelange Suche verläuft erfolglos. Uns bleibt bloss noch, einen Zylinderkopf in Europa oder Japan zu bestellen und nach Ulaanbaatar schicken zu lassen. Dies wird wohl einige Tage dauern. Deshalb wollen wir unser geliebtes Zuhause trotz offenem Herzen in unsere Nähe bringen. Unsere grossherzigen Begleiter Verena und Beni sind bereit uns noch einmal quer durch die Stadt abzuschleppen, damit Manny im Oasis auf seinen neuen Zylinderkopf warten kann.

Eins ist mittlerweile klar, Manny schaut gerne älteren Frauen auf den Hintern oder lässt sich noch lieber von ihnen abschleppen…


Das grosse Warten

Weil der Zylinderkopf ein paar Tage unterwegs sein wird und wir jetzt auf das Internet verzichten können, entscheiden wir uns zu einer geführten Tour in die Region der alten mongolischen Hauptstadt Kharkhorin.

Hauptsächlich aber leben wir im Oasis Guesthouse in Ulaanbaatar und lernen viele Reisende kennen. Wir erleben viele interessante Stunden zusammen und einige, die ebenfalls für ein paar Tage hier bleiben, werden wir vermutlich auch in Europa wieder treffen. An einem sonnigen Tag machen wir mit Annina, Sebastian und ihrer MASHIN einen Tagesausflug zur gewaltigen Chingis Khan Statue ausserhalb der Stadt. Die 250 Tonnen schwere Statue zeigt den grossen Mongolenführer auf seinem Pferd. Der erste Grosskhan der Mongolei hat im 13. Jahrhundert viele mongolische Stämme vereint und mit ihnen weite Teile Zentralasiens und Nordchinas erobert.

In unserer Zeit im Oasis Guesthouse haben wir auch sehr viele Schweizer angetroffen. An einem schönen Abend essen wir dann zu acht ein Fondue, welches Annina und Sebastian und wir aus der Schweiz mitgebracht haben. Mit dabei sind Iris und Christian (Link zu ihrem Reiseblog)  in ihrem VW T3 und Sandra und Markus (Link zu ihrem Reiseblog) in ihrem Bulli. Solche Abende bieten uns eine schöne Abwechslung zu der zum Teil auch etwas einsamen Zeit in Ulaanbaatar.


Das Ende der Geschichte

Nach vierzehn Tagen Ideen sammeln, organisieren, Pläne schmieden und ändern, improvisieren und vor allem warten, sind wir dank der tollen Hilfe von deutschen Teilehändlern endlich auf einen passenden Zylinderkopf gestossen. Während drei Tagen fliegt das schwere Paket von England via Leipzig (Deutschland) und Seoul (Südkorea) nach Ulaanbaatar. Wir haben uns auf eine lange Zollabfertigung von Büro zu Büro eingestellt, aber nach 45 Minuten sind wir endlich stolze Besitzer des langersehnten, neuen Zylinderkopfs. Am selben Abend kontaktieren wir unseren Mechaniker Egi.

Zu zweit erscheinen sie nach Feierabend im Oasis und beginnen sofort den alten Zylinderkopf in Teile zu zerlegen. Auch wenn sie nicht die passenden Werkzeuge für das Entfernen der Ventile besitzen, sieht ihre Arbeit zuverlässig und vielversprechend aus. Eine siebenstündige Operation am Herzen von Manny wird mit der Stirnlampe bis um Mitternacht vorgenommen und endlich sind die ersten Lebenszeichen von ihm wieder hörbar. Der Motor klingt noch nicht ganz rein. Ein Klopfen und Klackern ist noch hörbar. Deshalb verabreden wir uns am nächsten Tag nochmals mit Egi. Ein Ingenieur begleitet ihn und gemeinsam stecken sie ihre Köpfe unter Manny‘s Motorhaube. Schrauben werden nachgezogen, die Ventile nochmals präzise eingestellt und die erste kurze Probefahrt vorgenommen. Manny fährt!

Dem gründlichen Blick von Egi entgeht nicht, dass aus einer Ritze beim Kühler etwas Kühlwasser herausgedrückt wird. Dieser soll nun noch repartiert werden. Bevor wir dies vornehmen, begleitet uns das Zürcher Trudi mit Adrian und Seraina auf eine längere Probefahrt zur grossen Chingis Khan Statue ausserhalb der Stadt. Auf diesen 100 km prüfen wir Manny‘s Motor, seinen Klang, das Öl und Kühlwasser. Soweit sind wir mit Egis getaner Arbeit sehr zufrieden und freuen uns, endlich mal wieder unser Daheim auszufahren.

Da Egi kein Kühlermeister ist, brauchen wir eine zusätzliche Hand. So wird der Kühler von Egi bei Manny ausgebaut und zu einem Kühlermeister gefahren. Dieser kontrolliert den Kühler gründlich und lötet die defekten Stellen säuberlich. Nun ist das Ende der Geschichte langsam absehbar. Mit dem Einbau des Kühlers hoffen wir das Kapitel erfolgreich abschliessen zu können.

Mittlerweile ist unsere Aufenthaltszeit in der Mongolei fast zu Ende und wir müssen uns mit dem Gedanken, langsam zurück nach Europa zu kommen, anfreunden. Wir haben zwar schon unglaublich viel aber trotzdem nur einen Bruchteil von diesem wunderschönen Land gesehen. Jedoch ist der Durst noch mehr von dieser tollen Natur und der unglaublichen Weite zu sehen noch nicht gestillt. Wir werden früher oder später in die Mongolei zurückkommen…

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