Im Schnellzug durch die Prärie – Kanadas Zentrum

Riesige Distanzen

Lange verweilen wir in den Städten und geniessen es zu Besuch zu sein. Bald erwarten wir aber selber Gäste und zwar nicht gleich um die Ecke, sondern in den Rocky Mountains.

Bis zu unserem Treffpunkt sind es rund 3’500 km und das auf dem absolut direktesten Weg. Also machen wir uns ans Kilometerfressen. Wir hätten viel mehr entdecken können, aber kann man das nicht immer? So haben wir priorisiert und uns daher nur kurz in der Mitte von Kanada aufgehalten. Selbst bis in die Prärieprovinzen Manitoba und Saskatchewan ist es noch ein gutes Stück.

Noch befinden wir uns nämlich in der Provinz Ontario. Diese beheimatet zwei der grössten Seen der Welt, zumindest halb. In den Seen, Lake Huron und Lake Superior, verläuft die Grenze zu den USA. Wir bleiben in Kanada und düsen an den Seen entlang. Das Wetter spielt wie des Öfteren nur teilweise mit. Regnerische und windige Tage ziehen vorbei und unterstützen uns beim Vorwärtskommen, denn Spaziergänge, Grillabende oder ein Bad im See bleiben uns leider verwehrt. Wenn die Sonne es zulässt, einen Blick auf das nasse Blau zu werfen, scheint es unendlich zu sein, wie ein Meer. Das Seewasser ist glasklar, Inseln tauchen im Wasser auf und Wellen klatschen an den Strand.

Guten Tag Herr Biber

An einem Übernachtungsplätzchen stehen wir direkt an einem Biberbau. Voller Neugier erkunden wir die Umgebung und entdecken welche Dynamik der Biber in Lebensräume bringt. Er nagt an den Bäumen und Ästen, baut geschäftig und erschafft neue Uferabschnitte und ändert Gewässerverläufe. Davon profitieren viele weitere Tiere. Beeindruckt, wie diese kleinen Tiere ganze Landstriche umgestalten, beobachten wir.

Der Eingang zum Biberbau liegt unter der Wasseroberfläche. So kann er seine Burg unbemerkt verlassen und betreten. Von einem Fallensteller lernen wir, dass sein Wohnzimmer stets am Trockenen ist und die Biber keinen Winterschlaf machen. Im Herbst lagern sie vor dem Eingang der Burg Zweige und Äste im Schlammboden ein. Sobald die Wasseroberfläche gefrorenen ist und die Biber gezwungen sind, in der Burg zu bleiben, können sie tauchend die eingelagerten Äste erreichen und sich von deren Rinde ernähren. Weiter erzählt er uns, dass ein Biber am besten im Wasser getrappt wird. An Land sei es für den Biber und den Fallensteller qualvoll, denn er würde sich einfach sein, in die Falle geratenes Körperteil, abnagen. Im Wasser kommt es nicht dazu, weil der Biber vertrinkt.

Wir beobachten die Biberburg lange, aber den Nager in Aktion sehen wir nicht.

Hervorragende Geschichtsstunde

Elegant gekleidete Personen aus der Vergangenheit nehmen uns mit in die Welt um 1840 im steinernen Fort, Lower Fort Garry, am Red River. In der Schmiede wird gehämmert, Bauern bepflanzen den Garten und im Herrenhaus wird gespielt. Ein York-Boot mit Pelzen kommt angerudert. Das Fort ist ein historischer Handelsposten der Hudson’s Bay Company.

Einige Jahrhunderte lang kontrollierte die Hudson‘s Bay Company den Pelzhandel im britisch beherrschten Nordamerika und diese Festung diente hauptsächlich als Versorgungsdepot für die Siedler am Fluss und andere Bevölkerungsgruppen in der Umgebung.

Fallensteller und Händler bringen Pelze ins Fort, dort werden sie neu verpackt und auf eine lange Reise nach England geschickt. Wenn das Schiff ein Jahr später aus England zurückkommt, bringt es die Zeitung und bestellte Güter wie Zucker oder ein Kleid mit.

Winnipeg, Hauptstadt der Provinz Manitoba

Keine übermächtigen Wolkenkratzer und wenig wild blinkende Leuchtreklamen begegnen uns in dieser Stadt. Ehrlich gesagt sehen wir kaum etwas von dieser, denn wir steuern am Morgen direkt das Kanadische Museum für Menschenrechte an und verlieren in den Ausstellungen jegliches Zeitgefühl.

Ohne alle Ausstellungsräume und Galerien gesehen zu haben, werden wir am Abend höflich aus dem Gebäude gebeten. Dieses prägt übrigens mit seinem imposanten Tower of Hope das Stadtbild und fasziniert dank seiner einzigartigen Architektur auch äusserlich.

Mitte Kanadas mit den nie enden wollenden Strassen

Wer von der Ostküste an die Westküste Kanadas möchte, bei dem führt der Weg irgendwann mal durch die Provinzen Manitoba und Saskatchewan. Über viele, viele hundert Kilometer zieht sich da das flache Land hin. Dünn besiedelt ist es nur. Die Wälder, wie sie in Ontario häufig vorkamen sind verschwunden. Sie wichen den bis zum Horizont ragenden Feldern.

Schnurgerade verläuft die Strasse. Raps- und Kornfelder, soweit das Auge reicht. Dazwischen ab und zu mal ein paar zerstreute Häuseransammlungen oder riesige Farmen mit Getreidesilos, gigantischen Traktoren und Landmaschinen. Die einzige Aufregung hier auf dem Land ist die Durchfahrt der Züge. Laut künden sich die schwerbeladenen, langen Güter- oder Containerzüge an, bevor die weit über hundert Wagons, gezogen von drei bis vier Lokomotiven, vorbeiziehen.

Manchmal fragen wir uns, ob wir wirklich noch in Kanada sind. Die Kornkammer sieht so ganz anders aus, als alles was wir bis anhin von diesem Land gesehen haben. Scheint die Sonne, so strahlen die Farben kräftig und die Weite ist traumhaft anzusehen.

Einfach weiterfahren

In unseren Augen sind wir schnell durch die Prärie gerast, na ja so schnell wie Manny auf den fadengeraden Strassen fahren kann. Innert wenigen Tagen haben wir drei Provinzgrenzen überquert und stehen nun vor riesigen Bergen. Wir sind an den Rocky Mountains angekommen!

Hier in Alberta finden sich Kanadas meistbesuchte Naturparks und es ist Hauptsaison. Der Kontrast ist gigantisch. Erst freuen wir uns aber auf unseren Besuch. Die Vorfreude ist gross.

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Ursula Theiler
Ursula Theiler

Einmal mehr enormen Genuss über Eure Berichte!
Biber hats bei uns an der Reuss zig!!! fressen auch hier Baumstämme!! hm
Danke sehr für Eure Mails, man lernt enorm über Kanada, so persönliche
Geschichten mit den tollen Fotos interessieren natürlich viel mehr!
I like it very much!
1000 Dank und weiterhin all the best!
Liebe Grüsse Ursula

Gudrun

Ihr schreibt immer so schöne Berichte und verfeinert sie mit tollen Fotos. Wir (Peter & ich) lesen eure Beiträge regelmäßig und sind vor allem davon beeindruckt, wie genügsam ihr in/mit eurem Manni lebt.
Wir sind noch immer sehr unschlüssig, ob wir unseren Dicken im nächsten Jahr nach Halifax oder Montevideo verschiffen lassen…..

Euch weiterhin gute Fahrt, wärmeres Wetter und positiv beeindruckende Erlebnisse

Die Windkinder Gudrun& Peter