Die Rückfahrt: Lettland – Schweiz

07.09. - 16.09.2014
10 Nächte
3'153 km
7 Länder

Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Deutschland, Österreich, Schweiz

An der russisch-lettischen Grenze ziehen wir die Mittagspause vor und schlagen die Bäuche mit unseren Vorräten voll, welche nicht in die EU eingeführt werden dürfen. Zielstrebig steuern wir mit Manny den Citycamping in Riga an, freuen uns über die Dusche und das Erkunden der hübschen Stadt. Die am Fluss Düna gelegene Altstadt ist das historische Zentrum Rigas. Enge Gässlein führen zu Cafés, Restaurants und Kulturstätten. Voller Freude schätzen wir die Vorzüge einer europäischen Stadt.

Nach dem Kilometerfressen in Russland geniessen wir die Zeit zum Eintauchen in die Geschichte, dem Spazieren durch die Städte oder entlang der Küste. Von der Hauptstadt Lettlands fahren wir mit Manny auf Überlandstrassen durch Wälder und kleine Dörfer bis zum nördlichsten Punkt der lettischen Halbinsel. Dort, beim Kap Kolka, liegt die Grenze zwischen der Ostsee und der Bucht von Riga. Ein kleines Paradies am Meer, welches wir ganz alleine geniessen können. Für Manny finden wir hinter Dünen direkt am Meer ein Plätzchen auf einem Campingplatz. Er ist der einzige Gast hier. Anscheinend zieht es bei dem herbstlichen Wetter kaum mehr Reisende in diese Gegend.


Bald sind wir Zuhause

Bevor wir uns langsam den uns bekannten, heimatlichen Gegenden nähern, machen wir einen kleinen Abstecher an die Ostsee in Litauen. Wenige Kilometer nördlich von Klaipėda ist der Himmel blau und die Sonne lacht. Doch das prächtige Badewetter täuscht, denn es ist ja bereits September. Die Strände sind leer und es weht ein eisiger Wind. Eine tolle Stimmung, die uns gefällt.

Mit Manny geht es durch ganz Polen nach Krakau. Gerne hätten wir hier eine Autobahn. Die polnische Nord-Südachse durchläuft nämlich unzählige Dörfer und Städte, wodurch ein lockeres, angenehmes Fahren kaum möglich ist. Erschöpft von den Fahrstrapazen parken wir Manny unter einer Eiche auf einem Campingplatz in Krakau und versuchen uns mit den Gedanken langsam ans Nachhause kommen zu gewöhnen.

Wenige Kilometer entfernt von Krakau besuchen wir das grösste deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist interessant und furchtbar zugleich.

An zwei regnerischen Tagen durchqueren wir Tschechien und reisen in unser Nachbarland Deutschland ein. Auf einem familienfreundlichen Campingplatz in der Nähe von Ulm verbringen wir unsere letzte Nacht im Ausland.

Nach 180 Tagen zurück in der Schweiz

Von Ulm via Österreich stehen wir am nächsten Vormittag bei der letzten Grenze unserer Reise und Manny rollt nach exakt 180 Tagen und fast 31’000 km wieder in die Schweiz. Während Fränzi seit zwei Wochen nicht genau weiss, wie sie mit der Ankunft Zuhause klar kommen soll, versucht Tobi, ihr den Wunsch langsam in der Schweiz ankommen zu können, zu erfüllen.

In einem Coop durchkämmen wir die randvollen Regale und kaufen die langersehnte Cervelat sowie eine gute Flasche Wein. Im Eigenthal suchen wir mit Manny einen ruhigen letzten Übernachtungsplatz, bevor wir tags darauf unsere Familien besuchen werden. Der sonnige Nachmittag lockt viele Rentner ans Bächlein im Eigenthal und jedes Seitensträsschen zeigt ein Fahrverbot. Schnell stellt sich die Frage, ob wir am ersten Tag in der Schweiz das Fahrverbot übersehen sollen und uns eventuell mit irgendwelchen regelbewussten Menschen anlegen wollen…

Nun ja, so ungezwungen frei und gemütlich wie im letzten halben Jahr, wird es im Eigenthal wohl nicht. Also fahren wir mit Manny zum Steinibühlweiher. Vielleicht finden wir unterwegs oder spätestens am Weiher unseren letzten Übernachtungsplatz. Wir haben ganz vergessen wie zersiedelt und privatisiert die Schweiz ist. Leider klappt es mit dem letzten Übernachtungsplatz nicht. Vielleicht haben wir in der weiten Welt zu hohe Ansprüche entwickelt…

So wird Tobis Familie mit unserer Ankunft genauso überrumpelt wie wir. Seit dem 16. September 2014 sind wir also wieder Zuhause und haben unser mobiles Heim, oder unsere Jurte wie wir Manny den Mongolen damals beschrieben, gegen eine eigene Wohnung getauscht, Behördenkram erledigt und verbringen viel Zeit mit Familie und Freunden. Bleiben werden uns wunderschöne Erinnerungen und die vielen eindrücklichen Begegnungen mit Menschen aus andern Kulturen – wir haben viel von ihnen gelernt. Einzig das bewusste Ankommen wird wohl noch etwas dauern.

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