Begegnungen, auch mit Dromedaren – der Süden Marokkos

Die Dünen des Erg Chebbi

Seit wir in Marokko sind, hören wir vom Ort Merzouga und jeder fragt uns, ob wir da vorbeikommen. Dies trägt dazu bei, dass wir eine bestimmte Vorstellung von diesem Ort haben: gross, viele französischen Wohnmobile, riesige Sandwüste mit hohen Dünen, Touristen, Camps und der Bär, der tanzt… Aber es ist ruhiger als erwartet.

Von weitem sind sie schon zu sehen, die Dünen des Erg Chebbi. Ein riesiger Sandkasten, in dem so mancher Erwachsene gerne spielt. Fuss- und Fahrspuren soweit das Auge reicht. Gegen Abend brechen Dromedarkarawanen von Merzouga auf, um den Sonnenuntergang in den Dünen zu geniessen. Wüsteneinsamkeit findet man hier nicht, aber vielleicht müssen wir dazu gar nicht so weit gehen…

Treffpunkt Strassenschild

Einige Tage zuvor haben wir per Handschlag und Zeichnungsvertrag eine Dromedartour gebucht. Ungewohnt, aber wir haben seit langem mal wieder eine Verabredung, zu der wir gerne pünktlich erscheinen möchten.

Schweizerisch wie wir sind, gehen wir bereits am Morgen auf die Suche nach dem richtigen Strassenschild. Schliesslich gibt es ja entlang einer Asphaltstrasse einige davon und wir möchten am Nachmittag stressfrei zu unserem Treffpunkt gelangen. Das Schild zu finden, ist nicht schwierig. Nur steht nicht ganz das darauf, was darauf stehen soll. Tja, die Spannung bleibt. Vielleicht sind wir da richtig. Das sehen wir dann am Nachmittag.

Wir suchen uns ein nettes Plätzchen direkt bei den Dünen des Erg Chebbi. Am schönsten Ort steht schon ein Reise-LKW. Spontan gesellen wir uns dazu und lernen Wolfi und Verena aus Österreich kennen. Sie haben viele Berichte über ihre langen Reisejahre auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Wir müssen jedoch weiter und haben im Moment keine Zeit. Es ist gerade so schön hier, aber wir haben ja die Verabredung mit einem Dromedar und beim Strassenschild werden wir bereits erwartet.

Eine Nacht in den Dünen

Auf dem Rücken der Dromedare gelangen wir zwischen die Dünen. Die Vierbeiner haben gute Sohlen und sinken glücklicherweise nicht so tief in den weichen Sand. Bevor wir auf der Düne den Sonnenuntergang geniessen können, merken wir, wie anstrengend das Gehen im Sand tatsächlich ist. Die Nacht ist kalt und gerne wärmen wir uns am Lagerfeuer. Trommeln, Gesang und der Sternenhimmel lassen den Abend perfekt ausklingen.

Ein eigenes Dromedar besitzen

Ehrlich gesagt, so richtig bequem ist das Unterwegssein auf dem schaukelnden Wüstenschiff nicht. Schnell sind wir uns einig, dass wir die Dromedare lieber anschauen, beobachten oder tränken, als jemals eines zu besitzen. Da haben wir lieber unser vierräderiges Mammut.
Mit Freude kehren wir zurück in den Manny und wissen, dass er uns ja auch an viele tolle Orte dieser Welt tragen kann.
Der Erg Chebbi endet nach wenigen Kilometern, noch vor der algerischen Grenze. Wir umrunden das Dünenfeld und entdecken nicht weit davon entfernt unverspurte Dünen und Ruhe. Grandios ist die Landschaft, schwarze Steine und hie und da gelber Sand. Mittlerweile führt Manny dauerhaft kleine Sanddünen mit sich. Kein Wunder, denn Tobi kurvt gerne im Labyrinth der Sanddünen umher und übt sich voller Spass im Sandfahren.

«Dromedar good?»

Im Osten sind die Menschen meist zurückhaltend an uns vorbeigezogen. Aber hier begegnen wir immer wieder Marokkaner, die uns anhalten und fragen: «Dromedar good?». Wir tätscheln Manny und sie streicheln liebevoll über seine Motorhaube. Mit einem breiten Grinsen und einem Daumenhoch zu unserem Dromedar verabschieden sie sich wieder. In diesem Sinne können wir stolz sagen, wir besitzen bereits unser eigenes Dromedar.

Ganz unterschiedliche Begegnungen mit Einheimischen,…

Wir begegnen vielen Menschen und trotzdem fehlen uns Begegnungen, die nicht nur oberflächlich sind und sich von anderen unterscheiden. Bonbons, stylo, ballons sind die Gegenstände, wonach die Kinder betteln und die Erwachsenen in den touristischen Orten versuchen aufdringlich alles Mögliche zu zeigen, um im Gegenzug dafür etwas Geld zu erhalten. Auf dem Land sind die sprachlichen Möglichkeiten gegenseitig so begrenzt, dass die Begegnungen mit einem freundlichen Zulächeln, Nicken, Winken, einem Händedruck und der in Stille verstreichenden Zeit zu Ende geht. Es ist besonders, berührend und herzlich, aber irgendwie auf Dauer doch zu wenig.

…Überwinterer…

Mit den französischen Senioren, die in ihren rollenden, weissen Häusern wohnen und sich in Scharen an einfach zugänglichen Orten versammeln, stossen wir sprachlich an unsere Grenzen. So mögen wir Exoten unter ihnen vielleicht kurz interessant sein, aber nach dem üblichen Smalltalk, scheint es, als widmen sie ihre Aufmerksamkeit lieber wieder dem Fernseher als unseren langsamen Konversationsbemühungen.

…und (Langzeit)Reisenden

Wir treffen auf viele Urlauber und geniessen diese Kontakte, sei es ein kurzes Schwätzchen am Strassenrand, beim Wasserfüllen, auf dem Markt oder die netten Geschichten bei einem Nachtessen sowie interessante Diskussionen in LKW-Wohnzimmern. Es bleibt dennoch bei kurzen Begegnungen, denn jeder ist in seinem Trott.

Am schönsten Plätzchen vor den grossen Dünen beim Erg Chebbi sind wir ja Wolfi und Verena begegnet. Mit ihnen ziehen wir ab Merzouga drei Tage durch die Wüste, verweilen für fast eine Woche gemeinsam auf dem Campingplatz in Zagora, geniessen viele Lagerfeuer, teilen Erlebnisse und den Alltag zusammen, plaudern und lachen. Auch Momente, in denen niemand etwas sagt sind nicht sonderbar. Wir alle schieben den Abschied hinaus. Verena und Wolfi, es ist echt cool euch kennen zu dürfen. Danke für die super Begegnung!

Eins ist uns sehr bewusst, es sind nicht die Pizza, der Speck, ein Bier, ein gutes Glas Wein, die Dusche oder die schön saubere Toilette, die uns fehlt, sondern unsere Freunde. Ihr Lieben zuhause, wir vermissen schon manchmal die gute Zeit mit euch. 😊

Wüsteneinsamkeit hat seinen Charme

Pisten fahren reizt und Manny schafft es, uns an die tollsten Ecken zu führen. Wir sind noch zahlreiche Kilometer vom Atlantik entfernt. Ein Ziel, welches als nächstes ins Auge gefasst wird. Langsam suchen wir uns den Weg über unterschiedlichste Pisten dahin. Jede hat seinen eigenen Charakter und je nach eigener Laune sowie Gefühlslage mag man sie heute ganz besonders oder etwas weniger. Dabei bringt uns Manny in die entlegensten Gebiete und wir übernachten in verlassenen Oasen, zwischen Sanddünen oder unter der weit und breit einzigen Akazie. Dromedare, Vögel und Insekten sind unsere Besucher und wir geniessen die Wüsteneinsamkeit. Staunen jeden Abend, wenn die glühende Kugel am Horizont verschwindet und nur noch Silhouetten der Umgebung sichtbar sind, bis der prächtigste Sternenhimmel über uns erscheint. Gerne liegen wir unter der Decke im Bett und schauen hinaus in das Unendliche.

Etappe durch das Oued Drâa

Das letzte Stück vor dem Atlantik geht für uns durch das trockene Oued Drâa. Das Wasser des Flusses Drâa wird mit einem Staudamm aufgefangen und das Restwasser versickert schon einige hundert Kilometer flussaufwärts im Wüstensand. Somit fliesst hier nur ganz selten Wasser durch das breite Oued in den Atlantik.

Es ist üppig bewachsen und entlang der Böschung staunen wir, wie gross die Wassermenge zeitweise sein muss. Steinig und holprig, riesige Schwemmtonebenen, fiese Bodenwellen und sandiger Boden mit kleinen Dünen macht das Fahren abwechslungsreich.

Es riecht nach Meer

In der Luft liegt Meeresduft und am Horizont türmt sich ein Wolkenband. Seit Wochen ist die Sonne zum ersten Mal nur noch hinter einem Schleier sichtbar und versteckt sich zeitweise ganz. Wind wird spürbar, zerzaust das Haar und zerrt an der Kleidung.

Einer von uns braucht etwas Zuwendung

Wir sind in Tan-Tan Plage auf den Atlantik getroffen. Wellen tosen an den Strand und Fischer preisen ihre Fänge an. Herrlich, wieder eine komplett andere Atmosphäre.

Manny hat uns in den vergangenen Monaten schon sehr weit gebracht und uns zahlreiche zauberhafte Momente geschenkt. Nach all dem Geholper und Staub hat er sich ein bisschen Zuwendung verdient. Putzen, waschen, abschmieren, Ölwechsel und so ist da wohl das Mindeste…

2 Kommentare zu “Begegnungen, auch mit Dromedaren – der Süden Marokkos

  1. Hallo carissimi, seit Tagen stürmt es hier extrem, fällt Bäume… verhindert
    uns zum Wandern! Was für eine tolle Abwechslung bringt mir da Euer Bericht mit all den begeisternden Bildern… Stundenlang geniesse ich Euer Mail… Viel Glück für Eure weitere Reise und herzl.Grüsse vom Islisberg Ursy und Christoph … und natürlich 1000 Dank

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