Aserbaidschan

28.03. - 05.04.20144
8 Nächte
825 km

Die Berge Aserbaidschans

Nachdem wir in Zeitnot fast 4‘000 km abgespult und von den acht durchfahrenen Ländern nicht viel gesehen haben, freuen wir uns hier in Aserbaidschan darauf, unsere Reisegeschwindigkeit zu verlangsamen und beginnen zu Reisen und nicht mehr nur zu Fahren.

Viele verschiedene Berg- und Bauerndörfer begegnen uns auf dem Weg vom nordöstlich liegenden Grenzübergang nach Baku. Einen ersten Abstecher machen wir von Qax nach Ilisu. Die hohen Berge um das Dorf erinnern uns an die Schweiz. Vorbei an alten steinigen Häusern, kleinen Gässlein und freundlichen Menschen gehen wir in die hinterste Ecke des Tals, wo ein steiniger Pfad steil aufwärts zu einem Wasserfall führt. Wir schalten bei Manny den Allradantrieb ein und versuchen den Berg hinaufzukommen. Irgendwann wird es aber so steil, dass auch der Stärkste von uns dreien versagt. Mit einem kniffligen Manöver kommen wir schlussendlich wieder im Flachen an.

Von der florierenden Handelsvergangenheit des historischen Städtchens Seki zeugen der von einem früheren Khan erbaute Palast mit seinen eindrücklichen Glasmosaiken und die scheinbar älteste Karawanserei Aserbaidschans. Da wo früher die Handelskarawanen verpflegt wurden kehren wir im traditionellen, aber wohl auch überteuerten Teehaus ein.

In einer kalten Nacht werden wir vom Schnee überrascht. Auf den haben wir in der Schweiz einen Winter lang gewartet, aber hier und jetzt passt er nicht in unsere Pläne, denn wir möchten einen Tag in den Bergen verbringen. Aber weil Pläne da sind um geändert zu werden, geht unsere Fahrt an diesem kalten und verhangenen Tag direkt in die Hauptstadt Baku.


Baku

Aufgrund des grossen Ölvorkommens glänzt und glitzert Aserbaidschans Hauptstadt bei oberflächlichem Hinschauen; goldene Zähne, teure Geländewagen (meist Prados, junge, entfernte Verwandte von Manny), riesige Glasfassaden und mit Marmorplatten ausgelegte Strassen und Plätze fallen uns sofort auf. Doch es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt… Geht man etwas aus dem Stadtzentrum, ist der ganze Glanz verloren, denn da wird Baku zu einer einzigen Baustelle und versandet dann in der Steppe. Die heruntergekommenen Dörfer um Baku leben von der Erdölgewinnung, denn da „verschönern“ Raffinerien und Pumpstationen die öde Landschaft.

In Baku angekommen merken wir schnell, dass alles im urbanen Leben (insbesondere das Autofahren) viel hektischer zu und her geht. Ohne uns von dieser Hektik anstecken zu lassen, erkunden wir gemütlich die Altstadt, schlendern entlang des Bulvar und geniessen hier und da ein Bierchen oder etwas zu Essen.

Baku ist aber nicht nur ein lange erwartetes Zwischenziel auf unserer Reise, sondern mit seinem Hafen auch Ausgangspunkt nach Zentralasien, denn wir wollen das Kaspische Meer mit der Fähre nach Turkmenistan überqueren…


Die Geschichte mit der Fähre

Man liest diverse Geschichten über die Fähre von Baku nach Turkmenbashi, Turkmenistan. Wegen unserem zeitlich begrenzten Visum für Turkmenistan planen wir rechtzeitig in der Hauptstadt zu sein und uns das Ganze vor Ort anzuschauen…

Da wir in Baku keine Turisteninformation finden können, müssen wir uns auf die Karte im Lonely Planet verlassen und suchen damit den Hafen. An seinem östlichen Ende geht der grosse Bulvar von Baku in eine Baustelle über, welche sich über die nächsten Kilometer hinzieht. Dennoch versteckt sich dort der alte Hafen, wo die Fähren nach Turkmenbashi, Turkmenistan und Aktau, Kasachstan ablegen.

Hinter einer eisernen Tür, welche mit Klebern von Reisegruppen tapeziert ist, befindet sich das Büro wo man die Tickets kaufen kann. Eine Englisch sprechende Beamtin erklärt uns wie das Ganze abläuft.

Das turkmenische Visum wird auf eine bestimmte Dauer von ein paar Tagen (scheinbar meist nur drei oder fünf) ab einem genau definierten Datum ausgestellt. Da die Fähren erst ablegen, wenn sie voll sind, haben sie keinen eigentlichen Fahrplan und der Ablegezeitpunkt ist jeweils lange unbekannt. Es soll aber etwa alle zwei Tage eine nach Turkmenbashi, Turkmenistan und etwa einmal pro Woche eine nach Aktau, Kasachstan geben.

Ohne eine Deportation aus Turkmenistan und ein mehrjähriges Einreiseverbot zu riskieren können Reisende scheinbar frühestens am letzten Tag bevor die Gültigkeit des turkmenischen Visums beginnt, Tickets für die Überfahrt kaufen. Diese werden jedoch nur verkauft, wenn die Beamten sicher sind, dass die Fähre am gleichen Tag ablegt. Zusammengefasst heisst dies nun, dass man Glück braucht um eine Fähre vor dem Visumsbeginn zu kriegen und man am ersten Tag des Visums in Turkmenbashi anlegen kann. Andernfalls verliert man wertvolle Tage in Turkmenistan und kann im schlimmsten Fall das Land nicht mehr in der Gültigkeit des Visums durchqueren, was hohe Bussen, die Ausweisung und ein mehrjähriges Einreiseverbot zur Folge haben kann. So die Theorie, nicht einfach, aber zu verstehen.

Also rufen wir die Beamtin am frühen Morgen des 3.4. an, um zu fragen, ob heute eine Fähre nach Turkmenbashi geht. Bis zum Mittag kann sie uns keine konkrete Auskunft geben. Plötzlich soll dann aber doch alles ziemlich schnell gehen. Innerhalb einer Stunde müssen wir am Hafen sein um dort in Eile unser Ticket zu kaufen. Mit diesem werden wir weiter zum Polizeiposten geschickt, wo unsere Namen in ein grosses Buch eingetragen werden. Anschliessend heisst es, wir müssen vor der Barriere warten, bis der die Zufahrt blockierende Zug seine Öltanks abgeladen hat. Da warten wir gut drei Stunden. In der Zwischenzeit kann Tobi in einem weiteren Büro die Fahrzeugpapiere kontrollieren lassen. Als alle Öltanks verladen waren, können wir auf den Vorplatz des Grenzpostens fahren. Erneut werden wir angewiesen zu warten. Nach längerem Herumsitzen finden wir einen Beamten, der Englisch spricht und uns erklärt, dass die Fähre schon längst abgefahren sei…

Verärgert gehen wir zurück zum Ticketbüro. Die Beamtin erklärt uns da erfreulicherweise, dass in der Nacht eine Fähre vom neuen Hafen losfahren soll. Neuen Mutes folgen wir ihr zum neuen Hafen, wo sie uns nach erneutem mehrstündigem Warten das neue Ticket ausstellt. Mit diesem können wir das Hafengelände betreten und parkieren vor dem Polizeiposten. Ob da wohl bald eine Fähre ablegen wird?

Bei hellem Tage (jetzt ist es der 4.4., heute beginnt unser Visum für Turkmenistan) erwachen wir und nehmen zur Kenntnis, dass wir immer noch in Aserbaidschan weilen. Der Hafen bevölkert sich langsam und wir suchen Informationen bezüglich der Abfahrt unserer Fähre. Niemand kann oder will uns verstehen und weiterhelfen. Also warten wir erneut.

Die englischsprechende Beamtin beginnt ihren Arbeitstag um halb elf. Wir hoffen von ihr endlich Informationen zu erhalten. Sie vertröstet uns jedoch stundenlang mit leeren Versprechungen. Am Nachmittag erhalten wir die Nachricht, dass unserer Fähre eingetroffen ist. Bei einem Zollbeamten werden unsere Pässe abgestempelt und wir können zur Fähre fahren. Nachdem alle Lastwagen verladen sind können auch wir endlich auf die Fähre und bekommen da eine Koje. Jedoch vergehen wieder Stunden, bis die Fähre nach Mitternacht (jetzt ist bereits der 5.4.) endlich in See sticht…

2 Kommentare zu “Aserbaidschan

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